| Spionage-Geschichten, die das Leben schrieb | 03.03.2010 |
Geheimdienst-Agenten als Buch-Autoren |
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Von und mit Kurt Schnidrig Wie kommt ein Buch-Autor zu den spannenden Spionage-Geschichten, die als absolut „geheim“ gelten? Zum einen durch detailgetreues Recherchieren, zum anderen durch die eigene Berufs-Erfahrung als Geheimdienst-Agent. Der israelische Schriftsteller und ehemalige Geheimdienstler Yishai Sarid erhebt in seinem Spionage-Thriller „Limassol“ schwere Vorwürfe gegen die israelischen Sicherheitsbehörden. Er beschreibt die Arbeit des israelischen Geheimdienstes „Mossad“ in furchtbaren Einzelheiten, so etwa die Folter von Gefangenen. Und der Autor gesteht: „Es belastet mein Gewissen, wie schlecht wir die Palästinenser behandeln.“ So hat er recherchiert und aus Zeugenaussagen einen Spionage-Thriller konstruiert, der durch seine Bezüge zur Wirklichkeit für Gesprächsstoff sorgt. Er zeigt, wie der Anschlag auf einen Hamas-Führer in Dubai vom Geheimdienst „Mossad“ in allen Einzelheiten geplant und durchgeführt worden war. Und weiter in der Sendung: Ein aktueller Literatur-Trend besteht darin, dass die Schriftsteller die Grenze zwischen Realität und Fiktion verwischen. Dieser literarische Trend kommt aus Amerika und ist besonders seit dem 11. September 2001 weit verbreitet. Der Einbruch der Twin Towers wird als eine Art Einbruch des Realen in die Welt der Simulationen und Konstruktionen verstanden. Diese Unentwirrbarkeit zwischen „wirklich“ und „unwirklich“ fasziniert insbesondere den New Yorker Autor Don DeLillo. In seinem aktuellen Spionage-Thriller „Der Omega-Punkt“ mischt er Filmszenen aus Hitchcocks „Psycho“ geschickt mit der amerikanischen Realität. Der Filmemacher also Protagonist versucht einen ehemaligen Kriegsberater des Pentagon für ein Dokumentarfilmprojekt zu gewinnen, das den Irakkrieg mit einem intellektuellen Fundament versorgen soll. Und zum Schluss: Spionage-Geschichten, die das Leben schrieb, gibt’s auch aus der Schweiz, aus Zürich. 24 Kriminalfälle aus 100 Jahren hat der Autor Willi Wottreng in Archiven aufgespürt und mit etwas Fantasie angereichert. Ein Lustmörder ersticht eine Prostituierte, eine Amerikanerin blufft ganz Zürich, ein Visitenkarten-Drucker fälscht überzeugend Tausender-Noten. Dazu gibt es in diesem Buch Geschichtchen und Geschichten von Landesverrätern, von Bombenlegern und von Drogendealern. Der Autor hat die Geschichten, die das Leben schrieb, mit einem Quäntchen Fantasie umgeben und so einen verführerischen Cocktail angerichtet, der gefährlich und hochspannend ist.
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| Die schrägsten Bücher dieses Frühjahrs | 24.02.2010 |
So schräg wie Olympiade-Fans nach durchwachter Nacht |
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Von und mit Kurt Schnidrig Am Tag, als Carlo Janka Olympiasieger wurde, sprechen wir trotzdem über Literatur. Wer wird es uns da schon übel nehmen, wenn wir über die schrägsten Bücher des Frühjahrs sprechen? Es sind Bücher, die so schräg sind wie Janka-Fans nach durchzechter Nacht. „Kein Buch – nicht lesen!“ steht als Titel auf dem neusten Buch aus dem mixtvision-Verlag. Und weiter in der Sendung: Ein Buch, das beginnt wie ein herziges Mädchen-Buch, das uns aber nach ein paar Seiten schon den Schrecken in die Glieder jagt, und das in einem veritablen Albtraum endet: „Furchtbar lieb“, der Debütroman von Helen Fitzgerald, erzählt die Geschichte von zwei Freudinnen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Für beide geht alles schief, sie stürzen sich Hals über Kopf in Affären und schlussendlich von einer Klippe… und das ist erst der Anfang eines Höllentrips. Der Frühling kündigt sich an, und auch er ist zuweilen verantwortlich für schräge Geschichten. Angesäuselt von den lauen Lüften zeigt sich Bestseller-Autorin Anna Gavalda, die sich mit dem Buch „Ein geschenkter Tag“ auf gar glitschiges literarisches Parkett begibt. Auch wenn auf dem Buch-Cover die Warnung „Frühlingshaft und spritzig“ vor möglichen Nebenwirkungen warnt, lässt sich nicht alles und jedes entschuldigen, was da als literarisches Grünzeug an die Leserschaft verfüttert wird. Und zum Schluss: „Quanten-Heilung erleben“ – ein Erlebnis mit unsicherem Ausgang. Es ist zwar wissenschaftlich unbestritten, dass von einem Menschen zu einem anderen Energien übertragen werden können. Aber es kommen leise Zweifel auf bei der Lektüre von Frank Kinslows Buch. Aus dem „Sachbuch“ wird spätestens dann ein schräges Büchlein, wenn Dr. Kinslow sich als Garagist versucht. Was tun, wenn das Auto eines Tages streikt und sich nicht mehr starten lässt? Tipp von Dr. Kinslow: Einfach den Zeigefinger auf die Zündkerze legen und ein paar körpereigene Energie-Salven abschiessen, und schon läuft das Auto wieder wie geschmiert. Beim Literaturwälla-Redaktor hat das so leider nicht funktioniert. Statt „Quanten-Heilung erleben“ war ein Quantum Trost gefragt… Literaturangaben zur Sendung:
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| Der literarische Aschermittwoch | 17.02.2010 |
Grosse Themen des menschlichen Lebens |
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Von und mit Kurt Schnidrig Die typischen Aschermittwoch-Themen in der Literatur sind die grossen Themen des menschlichen Lebens: Selbsterkenntnis, Vertrauen, Verantwortung und das Streben nach dem wahren Glück. Dazu gehört neuerdings auch die Pilger-Literatur, die nach dem Grosserfolg von Hape Kerkelings Pilger-Bericht einen wahren Boom erlebt. Den literarischen Aschermittwoch-Klassiker hat Ethan Hawke geschrieben, der sich einen Namen gemacht hat als Schauspieler in Filmen wie „Der Club der toten Dichter“. Sein Roman „Aschermittwoch“ beginnt mit dem Ende der Beziehung von Jimmy und Christie. Zu spät erst erkennt Jimmy, dass er einen Fehler begangen hat und möchte Christie für sich zurückgewinnen. Christie jedoch hat sich entschieden wegzugehen, weg von Jimmy. Und weil sie schwanger ist, möchte sie für ihr Kind nun das Richtige tun. Aber was ist das Richtige, was ist das Falsche? „Aschermittwoch“ ist auch die Geschichte über das Erwachsenwerden. Was bedeutet es wirklich, für einen Menschen Verantwortung zu übernehmen? Was gibt man auf, was bekommt man dafür? Und weiter in der Sendung: Aschermittwoch-Literatur ist auch Pilger-Literatur. Das Genre der „Pilger-Literatur“ hat der deutsche Komiker und Moderator Hape Kerkeling so richtig aufgemischt mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg“, die Verfilmung dieses Buches kommt noch im Jahr 2010 in die Kinos. Dies jedoch ist nicht der einzige Grund für den „Boom“ der Pilger-Literatur. Es kommt dazu: Das Jahr 2010 ist ein „Heiliges Jahr“, was immer dann der Fall ist, wenn der Tag des Heiligen Jakobus (der 25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Aus diesem Grund werden zahlreiche Pilger den Jakobsweg unter die Füsse nehmen und werden im nordspanischen Santiago de Compostela einen Ablass zu gewinnen versuchen. Die voraussichtlichen Pilgerzüge im Heiligen Jahr motivieren die Buchverlage, entsprechende Pilger-Literatur bereitzustellen. „Und was, wenn ich mitkomme?“ fragt ein Ehemann seine Ehefrau, und zusammen machen sie sich auf, den Jakobsweg unter die Füsse zu nehmen, um so eine „Sinnsuche zu Fuss“ zu erleben und auch aus der Ehekrise zu finden. Das Buch dazu hat die Autorin Eva Prawitt geschrieben. Ihr ist ein besonders schönes Beispiel im Rahmen des Genres „Pilger-Literatur“ gelungen. Und zum Schluss: Die rätselhafte Geschichte des Zürcher Bankangestellten, den man auf einer Wanderung halb erfroren aufgefunden hat. „Im Schneeregen“ heisst die besinnliche Geschichte des Autors Thomas Schenk. Was hat den Banker in die Extremsituation getrieben? Ungefragt wird er in ein Spital eingewiesen und zusammen mit dem Pflegepersonal machen wir uns als Leserinnen und als Leser auf eine spannende Spurensuche nach dem, was war. Literaturangaben zur Sendung:
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| Was macht einen guten Roman aus? | 10.02.2010 |
Die Literaturkritik tut sich schwer… |
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Von und mit Kurt Schnidrig Den neuen Roman von Martin Suter („Der Koch“) haben wir vorgestellt und besprochen. Vor allem die schweizerische Literaturkritik in den grossen Zeitungen („Weltwoche“, „Neue Zürcher Zeitung“) geht recht hart mit dem neusten Suter-Roman ins Gericht. Kaum jemand stellt sich aber die Frage: Was macht einen guten Roman denn wirklich aus? Vor allem sind es drei Kriterien. Zum einen eine Handlung mit viel Unterhaltungswert, vorzugsweise mit einer Krimi-Handlung. Ferner sollte sich der Autor nicht in Details verlieren. Und die Personen sollten aus Fleisch und Blut sein, also nicht scherenschnittartige Figuren, die sich lediglich über Attribute, Äusserlichkeiten oder durch ihren Umgang mit Gegenständen charakterisieren. Martin Suters „Koch“ gehen vor allem diese drei Bestseller-Ingredienzen ab. Ganz im Gegensatz zu früheren Martin-Suter-Romanen. Im Martin-Suter-Jahr 2010 empfehlen wir deshalb seinen bis anhin wohl besten Roman: „Die dunkle Seite des Mondes“, einen Thriller erster Güte, der auf dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise zusätzliche Brisanz erlangt. Hören Sie sich dazu die Literaturwälla Spezial an vom 08.02.10: Kurt Schnidrig im Gespräch mit Martin Suter. Und weiter in der Sendung: Wichtige Ingredienzien für einen guten Roman? Wir fassen zusammen: Die Geschichte nicht mit Details überladen, den Plot nicht verpolitisieren, echte Figuren aus Fleisch und Blut. Alles das und noch viel mehr im grandiosen Roman, auf den die Literaturkritiker in Deutschland zu Beginn des Jahres wahre Lobeshymnen anstimmten. Die sensationelle Meldung wurde unter anderem vom Feuilleton der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) gestreut und verbreitete sich in Windeseile: Eine 17-Jährige soll den absolut perfekten Roman geschrieben haben! Der „shootingstar“ heisst Helene Hegemann und ihr sprachmächtiger Erstling trägt den zungenbrecherischen Titel „Axolotl Roadkill“. Der Teenager erzählt die Geschichte eines Problemkinds, das seit dem Tod der Mutter in Berlin lebt. Das verhaltensauffällige Mädchen durchläuft eine extrem negative Entwicklung. Das Mädchen kokettiert mit seiner Kaputtheit, droht mit Suizid und stellt die Scheinwelt der Erwachsenen bloss. Etwas gar voreilig als „Das Buch des Jahres 2010“ gepriesen, muss die Literaturkritik nun zurückbuchstabieren: Plagiat-Vorwürfe zerstören die grosse Literaturhoffnung der Deutschen: Der Teenager soll Teile des Romans abgeschrieben haben. Und zum Schluss: Gibt’s denn in dem noch jungen Jahr 2010 nicht doch einen Roman, den man als „gelungen“ bezeichnen kann? Doch schon. Am ehesten vielleicht der Roman „Diebe“ von Will Gatti. Da stellt sich allerdings die Frage: Soll man einen (Jugend-)Roman als „gelungen“ bezeichnen, dessen Identifikationsfiguren vom Diebstahl leben? Oder soll man derartige Lesestoffe aus moralischen Gründen seinen Kindern vorenthalten? Vielleicht. Man könnte das Ganze aber auch anders sehen. Da wird zwischen Buchdeckeln eine Lebensform fassbar, die zu einer erzieherisch wertvollen Auseinandersetzung motivieren kann. Oder würden Sie Ihren Kindern den Klassiker „Oliver Twist“ vorenthalten, dessen Identifikationsfigur ein Meisterdieb ist? Auch dieser Fall belegt: Die Literaturkritik hat es nicht leicht… Literaturangaben zur Sendung:
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