23.01.2020, 08:27
Oberwallis: Handschrift - auf dem Abstellgleis oder Spiegel der Seele?
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Was sagt meine Handschrift über mich aus?
Bildquelle: rro
Von Sauklaue bis Schönschrift - rro nimmt am Donnerstag Handschriften genauer unter die Lupe und verrät, was die Handschrift alles über den Schreibenden verraten kann.

Schreib mir etwas auf einen Zettel und ich sage dir, wer du bist. Ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Und dennoch: Anhand der Graphologie können Persönlichkeitsprofile aufgrund der Handschriftenmerkmale erkannt werden. Seit 1996 ist Doris Aerne aus Zürich als diplomierte Graphologin in eigener Praxis tätig und erstellt graphologische Gutachten für Unternehmen und Privatpersonen.

Doch welchen Stellenwert hat die Handschrift ganz allgemein noch im Zeitalter von Tablets und Smartphones? In Zeiten der Digitalisierung scheint sie ihren Stellenwert immer mehr zu verlieren. Dies hat nicht nur Vorteile. Trotz moderner Kommunikation würden sich gemäss Aerne gerade auch junge Leute wieder für das Thema Handschrift interessieren. Die Handschrift als Ausdruck der künstlerischen Gestaltung und Individualität quasi. 

Aber auch für Unternehmen können Handschrift beziehungsweise graphologische Gutachten sehr interessant sein. "Innerhalb der Personalselektion ist die Graphologie gefragt als Unterstützung und Zweitmeinung bei Entscheidungen", so Aerne. Aber auch für Privatpersonen kann solch ein Gutachten neue Erkenntnisse bringen. "Man kennt sich selbst zwar gut und weiss, wer man ist. Doch manchmal ist es auch gut, wenn man von aussen wahrgenommen wird. Der Graphologe kann Stärken und Schwächen aufzeigen." Humbug? Esoterik? "Nein. Wir deuten nicht und arbeiten schon gar keine Karmas aus." Die Leute würden nicht durch irgendwelche Sachen beeinflusst. "Graphologische Gutachten sind auf keine Art und Weise mit dem Blick in die Kristallkugel zu vergleichen", stellt Aerne klar. "Es ist eine analytische Angelegenheit, welche Stunden in Anspruch nimmt."

Wenn es um Handschriften geht, dann haben auch Lehrer ein Wörtchen mitzureden. Und nicht zu vergessen die Apotheker. Gibt es bei manchem Abzug in punkto Schönschrift, so kann es im Gesundheitswesen üble Folgen haben, wenn die Schrift einen zu grossen Interpretationsspielraum zulässt. Doch Apothekerin Angela Portner gibt Entwarnung: "Wir kennen die Medikamente. Zudem gewöhnt man sich an die Handschriften." Nur noch wenige Ärzte schreiben ihre Rezepte per Hand. Das meiste läuft heute auch in diesem Bereich digital./ip